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Farbformen öffnen sich im Fluss, seltene, kraftvolle Farben, Ströme voller kleiner Partikel, die wie Edelsteine im Wasser funkeln. Landschaften und Wälder, rätselhaft verklammert in ihren Farbformen, gespiegelt, bewegt. Aber dann: hängen Tiere an der Leine, Schnur um den Hals, Fische, Vögel, Hasen, immer noch starkfarbig, doch jetzt ist der Betrachter irritiert. Es ist ein für alle mal aus und vorbei mit dem rein lukullischen Schwelgen in Farbtönen, Beklemmung macht sich breit, das tote Tier verlangt es; Susanne Lorenz zwingt uns dazu.

Manchmal begegnen wir dann auch einem bunten Schwein und sind sehr froh, dass es lebt und dank der fast expressionistischen Farbgebung äußerst lebendig ist. Susanne Lorenz öffnet sogar den Himmel für uns, der bewegt scheint von vielen Vogel-schwingen. Bei näherer Betrachtung kommt jedoch Bedrohung auf, die Vögel verdrängen die Luft, das Himmelsblau, und bewegen gleichzeitig die Bildoberfläche in einem Maße, dass dasselbe Flirren aufkommt, das wir jetzt schon von den anderen Gemälden kennen. Ein Flirren durch kleine Farbsprengsel, die die eigentlich zweidimensionale Farbfläche in die Tiefe öffnen. So kann ein Film entstehen vor unserem geistigen Auge, denn die Bewegung ist zur Hauptsache geworden.

Es existiert daneben ebenso die fast vollkommene Stille und Statik der schwarzen Krähen, die mit dem Rücken zu uns in einen roten Himmel starren, der Spuren anderer Farben und Formen enthält. Bei solchen Bildern lässt die Künstlerin den Betrachter völlig allein, lädt zu keiner Interpretation mehr ein, schafft einfach nur großartige Malerei, jenseits jeder Narration –   trotz immer vorhandener figurativer Zeichen, die zur Einordnung verleiten. Aber sie malt einfach so, wie es aus ihr herauskommen möchte, intuitiv, den farbigen Schemen ergeben, ohne rational zuzuordnen oder zu kategorisieren. Und deshalb in hohem Maße frei.

©  Dr. Susanne Kaeppele